Absamer Fasching zwischen Tradition und heute

Es waren mehrere tausend Menschen, die am Sonntag aus der engeren und weiteren Umgebung nach Absam strömten und dort die Straßen, durch die sich der große Maskenzug bewegte, in dichten Scharen umsäumten.

Auf der Ehrentribüne beim Gasthof Ebner sah man neben dem Preisrichterkollegium, bestehend aus der akad. Malerin Frau Maria Rehm, Dr. Hochenegg und dem Bildhauer Josef Bachlechner, Bürgermeister Zanger und Mitglieder des Gemeinderates, Bezirksinspektor Kremser sowie KR. Willy Swarovski und Direktor Schwemberger mit ihren Familien und Vertreter der Firma Rhomberg.

Absamer Schuhplattler beim Umzug 1952 (Bild: Chronik Absamer Matschgerer)

In bunter Folge zog der 240 Masken zählende Zug vorbei. Den Herolden und der Fanfarengruppe der Absamer Bürgermusik folgten die Zottler aus Wattens mit ihren schaurigen Masken. Anschließend die von der Gnadenwalder Musikkapelle gebildete Zigeunermusik, deren originelle Kostümierung allgemeinen Beifall fand.

Einem Wagen mit den Wiener Wäschermädeln der Absamer Finkenberg-Gruppe folgte der Jakob-Stainer-Chor, der unter dem Motto „Olympiade der Vereinten Nationen“ eine komplette auf ein Auto montiere Sprungschanze mit urkomischer Weise durchgeführten Sprungläufen vorführte. Ihnen schloß sich das traditionelle Fasserrößl und nach der Milser Musikkapelle der Wagen der Firma Rhomberg mit einem Hawai-Motiv an.

Von den weiteren Gruppen (Preisrennen durch Absam, Liliput-Schuhplattler, Schellenschlager und Zottler) waren es vor allem die Schellenschlager und die Zottlergruppe, die wertvolles uraltes Tiroler Brauchtum zeigten. Den Abschluß bildete die Absamer Bürgermusik.

Das Preisgericht verteilte die Preise wie folgt:

Erster Preis: Zottler und Tuxer aus Absam. Hier war es vor allem der prachtvolle Spiegeltuxer von Karl Obleitner sowie die älteste Absamer Zottlermaske, die Prantner Anton trug, und der Fleckler von Moritz Wilhelm. Als Besonderes zeigte die Gruppe einen neu nach einem alten Bild angefertigten Zaggeler. Es ist ein gutes Zeichen für die Lebendigkeit alten Brauchtums, daß sich heute noch junge Leute, wie Ludwig Prantner, solche Masken, deren Kosten auf über 2000 S kommen, anschaffen. Die Vorführungen der Gruppe zeigten ein hervorragendes Einfühlungsvermögen in den alten Brauch der Zottler und wurden mit größter Exaktheit ausgeführt.

Zweiter Preis: Das Fasserrößl, eine in Hall beheimatete alte Tiroler Maske.

Dritter Preis: Zigeunerkapelle der Musikkapelle Gnadenwald.

Vierter Preis: Schellenschlager der Schützenkompanie Absam.

Fünfter Preis: Olympiade des Jakob-Stainer-Chores.

Sechster Preis: Zottler aus Wattens.

Die vier Trostpreise verteilten sich auf den Wagen der Firma Rhomberg „Blume von Hawai“, auf die Schuhplattler des Trachtenvereins Almleben, die Radfahrer des Radfahrvereins Halltal und die Musikkapelle Mils.“

Tiroler Nachrichten, 05.02.1952

Eine weitere Aufnahme der Schuhplattler beim Umzug 1952 (Bild: Chronik Absamer Matschgerer)
Das Schlaucherrössl 1952 (Bild: Chronik Absamer Matschgerer)

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